Unser Konzept


Die WohnWerkstatt - Unser Wohnprojekt in Konstanz:

Wir sind eine bunt gemischte Gruppe. Wir verstehen gemeinsames Wohnen als Chance für ein Miteinander, das den Menschen und der Umwelt dient.

Wir wollen unsere Gemeinschaft auf vier Grundsteine stellen.

Der ökologische Grundstein

Wir wollen die Umwelt so wenig wie möglich beanspruchen und möglichst wenig Flächen und Ressourcen verbrauchen. Wir beschränken unseren privaten Wohnraum zugunsten der Gemeinschaftsflächen und Begegnungsräume im Haus. Wir streben das Teilen vieler Dinge an. Beabsichtigt sind zudem ein intelligentes ökologisches Energiekonzept und autofreies Wohnen.

Der soziale Grundstein

Wir wollen der Nachbarschaftshilfe in unserem Haus und später auch im Stadtteil einen organisierten Rahmen geben. Wir teilen Räume, Zeit und Dinge miteinander und unterstützen uns gegenseitig in verschiedenen Lebenslagen. Jeder Bewohner leistet ein gemeinschaftlich festgelegtes Kontingent an sozialen Stunden für die Gemeinschaft.

Der Stein der Mitbestimmung und Gleichberechtigung

Für unsere gemeinsamen Entscheidungen gilt folgende Leitlinie: Eine Lösung, mit der alle leben können, ist besser als eine, mit der die Mehrheit glücklich, aber ein Teil unglücklich ist. Jede getroffene Entscheidung wird nach einer festgelegten Zeit auf Praxistauglichkeit überprüft. Wir verstehen Fehler als willkommenen Entwicklungszwang.

Der Stein der Kommunikation

Unser alltägliches Miteinander soll geprägt sein von Gelassenheit und Wohlwollen. Wir üben uns in respektvoller Kommunikation indem wir uns Regeln für unsere Kommunikation geben mit dem Ziel unterschiedlichen Meinungen und Positionen Raum zu geben.

Unsere Grundsteine

So wollen wir wohnen.

Unser privater Wohnraum:

Unsere Idealvorstellung ist ein Haus mit etwa 30 Wohneinheiten, darunter Appartements, Wohngemeinschaften und Familienwohnungen. Mitwohnende haben die Wahl zwischen Wohneinheiten, in denen sie Bad und Küche für sich allein nutzen können, oder solchen, in denen sie Bad und Küche mit anderen teilen. Wir beschränken uns beim persönlichen Wohnraum zugunsten von Gemeinschaftsflächen im Haus.
Als Richtwert für die Größe des persönlichen Wohnraums in der Wohngemeinschaft oder Familienwohnung sind 25 Quadratmeter angedacht, plus sinnvoll proportionierte Flächen für Küche und Sanitärräume, es sei denn, es gibt besondere Gründe für mehr Platzbedarf, etwa Behinderung, Pflegebedürftigkeit o.Ä..
Welche Abweichungen von dieser Regel wir tolerieren wollen, befindet sich noch in der Diskussion. Klar ist: Auch die anteilige Miete für die Gemeinschaftsräume richtet sich nach der Größe des privaten Wohnraums.

Unsere Gemeinschaftsflächen:

Unsere Idealvorstellung ist ein Haus, das die Begegnung und das gemeinschaftliche Leben fördert, z.B. mit Garten, der gemeinsam gepflegt wird und unterschiedlichen multifunktionellen Räumen.
In einem "Raum des Dinge-Teilens" stellen Hausbewohner Gegenstände zur gegenseitigen kostenfreien Nutzung zur Verfügung, etwa Staubsauger, Mixer, Schlitten usw. Ein Teil der Räume kann für Veranstaltungen im Stadtviertel geöffnet werden. Die Wohnwerkstatt will Platz bieten für Reparatur-Café, kulturelle Veranstaltungen oder andere gemeinnützige Projekte.
Angedacht ist, das Prinzip des Tauschens und Teilens auf das Stadtviertel auszuweiten, eventuell in Kooperation mit dem Tauschring. Die Öffnung ins Stadtviertel ist geplant, sobald die Hausgemeinschaft sich gefunden und eingespielt hat. Die halböffentlichen Flächen könnten zeitweise auch von Initiativen, einer Tagesmutter oder freien Spielgruppe genutzt werden.
Auf einzelnen Etagen ist ein Joker-Raum ohne weitere Infrastruktur angedacht, der von den Mitwohnenden zusätzlich gemietet werden kann, wenn die Lebensumstände eine Erweiterung der Wohnfläche erfordern. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn eines der Kinder das Jugendalter erreicht und nicht mehr das Zimmer mit dem jüngeren Geschwisterkind teilen will. Ein Raum bietet Platz für Gemeinschaftswaschmaschinen und zum Trocknen der Wäsche.
Dem Haus sollen Parkplätze für Carsharing-Anbieter zugeordnet sein, ebenso überdachte und abschließbare Plätze für Fahrräder und eventuell eine Station des Lastenrad-Systems, das in Konstanz gerade im Aufbau ist. Sollte der Verzicht von Parkplätzen für Privatautos aus rechtlichen Gründen nicht möglich sein, bevorzugen wir eine Quartiersgarage oder die Möglichkeit, Parkplätze an anderer Stelle nachzuweisen. Falls es möglich ist, sollen Fahrkarten für öffentlichen Nahverkehr, ähnlich wie beim Jobticket, mit Rabatt für die Mitwohnenden gebucht werden.

Unsere Hausgemeinschaft:

Neben der selbst organisierten gegenseitigen Fürsorge, leisten alle Mitwohnenden soziale Stunden für die Gemeinschaft, in denen sie notwendige Arbeiten im Haus übernehmen, z.B. Verwaltung der öffentlichen Räume, Gartenpflege, Buchhaltung, Reinigung, Öffentlichkeitsarbeit oder Reparaturen.

Unsere Finanzierung

Wir streben ein breites Portfolio von Finanzierungsmitteln an. Neben dem Eigenkapital der Mitwohnenden und Mieterdarlehen ist geplant, Direktdarlehen von Privatpersonen und Institutionen einzuwerben ("Crowdfunding") sowie Förderdarlehen für den sozialen Wohnungsbau und eine Pflege- oder Demenz-WG.
Eigentumswohnungen schließen wir aus. Wir wollen unsere Immobilie der Spekulation entziehen. Als Instrument für mietfreies Wohnen im Alter und als Kapitalanlage ist die Form des Dauerwohnrechts denkbar.
Abhängig von der Immobilie und der Lage streben wir die Vermietung eines Anteils der Flächen im Erdgeschoss als Gewerberäume an, vorstellbar wären Praxisräume, Tagesmutter-Raum, Café oder ähnliches. Auch Gemeinschaftsräume wie Werkstatt, Veranstaltungsraum, Seminarraum sollen an Dritte vermietet werden oder bereits in der Bauphase durch Dritte mitfinanziert werden, z.B. als kapitalisierte Miete.

Unsere Grundsteine

Wie kann man bei uns mitmachen?

Willkommen sind alle, die Lust auf das Prinzip des sozialen und ökologischen Miteinanders haben, Paare, Alleinstehende, Auszubildende, Familien, Studierende, Senioren, Flüchtlinge. Die Hausbelegung soll viele soziale und Altersgruppen berücksichtigen.
Die Wohnwerkstatt ist offen für alle Interessierten. Den Gründungs- und Planungsprozess organisieren wir nicht hierarchisch, sondern gleichberechtigt. Alle Interessierten sind zum Mitgestalten eingeladen, auch wenn sie sich noch nicht sicher sind, ob ein solches Wohnprojekt das Richtige für sie ist. Wir möchten gute Nachbarschaft und Kooperation mit anderen, bereits bestehenden und entstehenden Wohnprojekten.


Wie wir in der WohnWerkstatt kommunizieren möchten

Unsere Ziele

Wir legen Wert auf respektvolle Kommunikation. Ziel ist, dass sich möglichst alle in der Gruppe wohlfühlen. Unsere Kommunikationsempfehlungen sollen helfen, eine Atmosphäre zu schaffen, die Jede/n ermutigt, sich einzubringen. Unsere Diskussionen sollen von Gelassenheit und gegenseitigem Wohlwollen geprägt sein, sodass auch nicht perfekt formulierte Beiträge, unausgereifte Gedanken oder "spinnerte" Ideen geäußert werden können. Wir lassen Vielfalt zu. Konflikte begreifen wir als Anstoß zur Weiterentwicklung. Gleichzeitig sollen bei unseren Treffen die Kommunikationsempfehlungen so flexibel angewendet werden, dass auch Raum für Spontaneität, Schlagfertigkeit und Spaß ist.

Die über die grundlegenden Kommunikationsempfehlungen hinausgehenden Empfehlungen für die Wie-geht-es-mir-Runden haben zum Ziel, einen möglichst guten Rahmen für das Mitteilen von Persönlichem zu schaffen. Jede/r soll fühlen, dass er/sie Raum für Gedanken bekommt, die er/sie mit der Gruppe teilen möchte. Auch zwischenmenschliche Spannungen in der Gruppe können im Idealfall aufgelöst werden. So soll unter anderem vermieden werden, dass sie unausgesprochen in die Sachdiskussionen einfließen und diese beeinträchtigen. Ziel der Wie-geht-es-mir-Runden ist auch, dass wir abseits der Diskussion von Sachthemen mehr voneinander erfahren. So lernen wir uns vielfältiger kennen und können uns durch die Kenntnis der jeweiligen Lebenssituation einfühlender begegnen.

Kommunikations-Selbstverpflichtungen für unsere WohnWerkstatt-Treffen

•  Wir sprechen in der Regel in Ich- oder Wir-Form, vermeiden belehrende, zum Widerspruch herausfordernde Du-Botschaften und generalisierende Man-Formulierungen.
•  Mit der gleichen Konzentration, mit der wir selbst sprechen, versuchen wir auch zuzuhören und nicht schon einen Teil unserer Aufmerksamkeit auf die Formulierung einer Erwiderung zu verwenden.
•  Wir achten das gesprochene Wort und versuchen keine Analysen oder weitergehende Interpretationen des/der Sprechenden zu machen. Insbesondere unterstellen wir keine unausgesprochenen anderen Absichten. Im Zweifel fragen wir nach: "Verstehe ich dich richtig, dass .?", "Bedeutet das .?".
•  Wir nehmen nach Möglichkeit Bezug auf zuvor Gesagtes.
•  Wir halten unsere Beiträge kurz.
•  Wir lassen den/die Andere/n ausreden.
•  Wir lassen andere Meinungen gelten.
•  Bewertungen und negative Äußerungen über andere sind tabu.
•  Wenn jemand größeres Unwohlsein mit der Stimmung oder Entwicklung der Gruppe hat oder sich persönlich verletzt fühlt, ist es selbstverständlich, dies zu äußern. Die Gruppe geht damit einfühlsam um und verabredet, wann und wieviel Zeit eingeräumt wird, um dem Grund dafür zu erörtern.
•  Jede/r kann die laufende Diskussion kurz unterbrechen, falls eine Entschleunigung zwecks Reflektion ratsam erscheint.

Unsere Wie-geht-es-mir-Runden

•  Die Wie-geht-es-mir-Runden finden bei jedem Treffen statt. Wenn dringende Themen zu besprechen sind, kann ausnahmsweise auf sie verzichtet werden.
•  Die Wie-geht-es-mir-Runden dauern normalerweise ca. 20 Minuten. Sie können auf Wunsch der Gruppe (Meinungsbild) bis zur Hälfte der Zeit des Treffens verlängert werden. In größeren Abständen kann gezielt ein längerer Zeitraum für die Wie-geht-es-mir-Runden eingeplant werden.
•  Die Wie-geht-es-mir-Runden finden in der Regel am Anfang der Treffen statt. Wenn es Neue in der Gruppe gibt, hat es sich bewährt, sie ans Ende des Treffens zu stellen.
•  Während der Wie-geht-es-mir-Runden sollte nicht gevespert werden.
•  Alles in den Wie-geht-es-mir-Runden Gesagte bleibt innerhalb der Runde und ist vertraulich.

Zusätzliche Kommunikations-Selbstverpflichtungen für unsere Wie-geht-es-mir-Runden

•  Die Wie-geht-es-mir-Runden sind nicht moderiert. Es gibt einen Gegenstand (Stein oder ähnliches), der Redezeit verleiht und am Ende des Beitrags weitergegeben oder in die Mitte gelegt wird.
•  In den Wie-geht-es-mir-Runden soll vorrangig Persönliches zur Sprache kommen. Hier können zum Beispiel Gedanken geäußert werden wie
"Wie geht es mir im Allgemeinen?"
"Wie geht es mir in der Gruppe - fühle ich mich gut aufgehoben?",
"Wie geht es mir mit dem Projekt - habe ich das Gefühl, dass etwas herauskommt, mit dem ich einverstanden bin?",
"Was beschäftigt mich zur Zeit?"
"Was möchte ich der Gruppe mitteilen?".
•  In den Wie-geht-es-mir-Runden spreche ich nur von mir.
•  In den Wie-geht-es-mir-Runden ist das Unterbrechen von Sprechenden tabu.
•  Im Gegensatz zur normalen Kommunikation ist es nicht unhöflich, sondern gewünscht, Beiträge einfach stehen zu lassen, nicht darauf einzugehen, nicht zu antworten oder gar zu kommentieren. Wir beziehen uns nach Möglichkeit nicht auf zuvor Gesagtes.
Wenn jemand unbedingt auf einen persönlichen Beitrag reagieren möchte, so fragt er oder sie die jeweilige Person vorher, ob das in Ordnung ist.
•  Wenn während einer Wie-geht-es-mir-Runde Sachthemen auftauchen oder plötzlich eine Diskussion entsteht, so wird diese unterbrochen und auf nach der Runde verschoben.
•  Niemand soll sich gedrängt fühlen, in den Wie-geht-es-mir-Runden etwas zu sagen; nichts zu sagen ist vollkommen in Ordnung. Auch Momente der Stille zwischen Beiträgen sind willkommen.

Stand 12.10.2018


Downloads:
Hier geht's zum Konzept als PDF-Datei .
Hier geht's zum Kommunikationsempfehlungen als PDF-Datei .
Mitglied werden ist leicht (Stimmberechtigung bekommen dagegen nicht). Hier gibt's unsere aktuelle Vereinssatzung als PDF-Datei .